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Utopische Wirklichkeit//«Schöne neue Welt»//4 Bücher

Diplomarbeit

«Schöne neue Welt» (engl. Brave New World), ein dystopischer Roman, der 1932 von Aldous Huxley geschrieben wurde beschäftigt sich mit dem Thema, wie es wäre, in einer perfekt funktionierenden Gesellschaft zu leben, in der es keine Probleme gibt und die Menschheit zur Perfektion gezüchtet wird. Die Menschen werden in einer Art Massenproduktion, je nach Bedarf der Gesellschaft hergestellt. Jeder hat seine Aufgabe und niemand muss sich überflüssig fühlen, denn jeder wird so wie er ist gebraucht. Damit diese utopische Gesellschaft auch so funktionieren kann, müssen folgende Vorraussetzungen erfüllt sein: «Strikte Zuchtwahl, Konditionierung als Erziehungsmaxime, Kastensystem, Totalitäres, jedoch nicht gewalttätiges politisches System, Nebenwirkungslose Drogen («Soma»), Bildungsferne, Gruppenzwang, Amüsiersucht, Hedonismus als Religion, Glück durch Verzicht auf Freiheit, Konsumzwang und Massenproduktion (orientiert am Fordismus, Henry Ford ist Grundlage der Zeitrechnung und Quasi-Gottheit im Roman)». Die Aktualität der Themen ist bemerkenswert und beschäftigt sich mit Fragen, die sich vielleicht jeder einmal stellt.





›› Quicktime (Slideshow Nullevel)







Diplomausstellung und Leporello (Nullevel)





Konzept und Buch (Normierung)





Leporello (Nullevel) und Photoalbum (Dauerglückseeligkeit)





Vier Poster (Künstliche Intelligenzen)







Dauerglückseeligkeit//Photoalbum

Eines der Themen, die mich in «Schöne neue Welt» besonders interessieren, ist SOMA. Die Menschen sind eigentlich glücklich, haben alles, kommen aber trotzdem nicht ohne SOMA aus. Jeder bekommt davon soviel er möchte. Die Droge ist gesellschaftlich akzeptiert und hat auch keine unangenehmen Nebenwirkungen. In «Schöne neue Welt» wird die Wirkung von SOMA oft als Urlaub vom Alltag beschrieben. Parallelen zu SOMA fand ich auch in Texten über Prozac, ein Antidepressivum, das über stimmungsaufhellende Wirkung verfügt und in den 80er Jahren als «Glückspille» gefeiert wurde. In den USA konsumieren laut Schätzungen ca 28 Millionen Menschen im Jahr Prozac und ähnliche Antidepressiva. Prozac gilt inzwischen als Volksmedikament Nummer eins. Außerdem stieß ich auf verschiedene Texte über Forschungsfantasien, das Glücks-Gen zu finden, mit dem die Menschen dauerhaft glücklich sein können. Als ich mir über den Zusammenhang dieser Glücklichmacher Gedanken machte, begann ich mich zu fragen, wie man das Glück überhaupt definieren kann. Läßt es sich überhaupt künstlich erzeugen und kann man es so auf Dauer festhalten? Wie wäre es wenn man sich genetisch zu einem Glückswesen umbauen lassen könnte? Hätte das Glück dann noch einen Wert? Um die Absurdität des Themas Dauerglückseeligkeit noch zu unterstreichen stelle ich es als Fotoalbum dar. Es zeigt ein ganz normales Ehepaar, das Urlaub von der Wirklichkeit macht. Das Buch soll in erster Linie Spass machen, während der Titel «Somaferien-Urlaub» von der Wirklichkeit zum Nachdenken anregt, vielleicht darüber wie sehr man selber ab und an einen Urlaub von der Wirklichkeit möchte und warum. Bei dem hier dargestellten Urlaub von der Wirklichkeit muß man sich allerdings fragen, ob die Wirklichkeit nicht doch das kleinere Übel wäre.



















Normierung//Buch

In schöne neue Welt sind Menschen genormt und konditioniert, damit sie es leichter im Leben haben und klar auf ihre Rollen vorbereitet sind. Jeder hat von Geburt an nur die Eigenschaften, die er für seinen Beruf braucht. Individualität ist hier überflüssig. Bei meinen Recherchen fand ich Normierungen in der Natur, wie z.B die Fibonacci-Folge bei Pflanzen, die im Buch erklärt wird, sowie das Phänomen der Eusozialität bei Tieren, wie Wespen, Bienen, Ameisen und Nacktmullen (als einzige Säugetiere). Das eusoziale Verhalten dieser Lebewesen erinnert mich an die Menschen in der «Schönen neuen Welt». Beide erfüllen Aufgaben, für die sie noch vor ihrer Geburt  bestimmt waren. Es gibt Arbeiter und Königinnen, sowie in der «Schönen neuen Welt» Alpha, Beta, Gamma, Delta und Epsilons. Jeder hat hier seinen festen Platz in der Gesellschaft und hat seine Aufgabe zu erfüllen. Es gilt laut Untersuchungen: Je unsymmetrischer ein Gesicht ist, desto weniger passt es sich der Norm an. Die Folge davon ist, es siehst nicht entsprechend der allgemeinen Norm aus, also wird es von der Allgemeinheit nicht als sonderlich schön empfunden. Die Symmetrien in Gesichtern versuchte ich mit Fotos künstlich herzustellen und mich überraschten die Ergebnisse. Das Zitat «Es dedarf eines betriebssicheren Systems der Eugenik, darauf bechnet das Menschenmaterial zu normen und so die Aufgabe der Manager zu erleichtern. In Schöne neue Welt ist diese Normung des menschlichen Produkts bis zu phantastischen, wenngleich vielleicht nicht unmöglichen Extremen getrieben.» von Aldous Huxley, 1946 brachte mich auf die Idee ein paar eigene Normungsexperimente zu unternehmen.













Künstliche Intelligenzen//4 Poster


Ein interessanter Aspekt in dem Roman ist auch, das die Menschen nicht älter werden. Auch hier gibt es Parallelen zur heutigen Gesellschaft. Die Menschen möchten nicht altern, immer jung, schön und perfekt sein. Bei meinen Recherchen stellte ich fest, das viele Wissenschaftler vermuten, das der Mensch auf dem Weg ist, eines Tages  mithilfe der Robotik die Unsterblichkeit zu erreichen, entweder indem er mehr und mehr Körperteile durch elektronische ersetzt  und dann irgendwann selbst zum Roboter wird oder indem es irgendwann möglich ist alle Informationen, die im Gehirn abgespeichert sind umzuspeichern auf eine Festplatte und somit ewig weiterzuleben. Hierbei kommt natürlich die Frage ins Spiel, ob das überhaupt so möglich ist. Was definiert den Menschen? Sind es nur die Informationen, die das Gehirn abgespeichert hat, oder ist da mehr? Wenn es eine Seele gibt, kann man sie dann auch auf einen Computerchip speichern? Was macht uns aus? Bei meinen Recherchen stiess ich immer wieder auf verschiedene Definitionen von künstlichen Intelligenzen. Ich fand heraus, das Androiden die eigentlich älteste Form von künstlichen Intelligenzen sind. Androiden nennt man zum Beispiel auch schon die ganz frühen Automaten, denn kurz gesagt sind Androiden in erster Linie menschenähnlich und im Inneren mechanisch oder elektrisch. Avatare sind Darsteller von Menschen oder Lebewesen im Cyberspace. Sie sollen sich in einer Konversation oder einem Spiel möglichst menschenähnlich verhalten. Roboter sind im allgemeinen dazu da, den Menschen die Arbeit abzunehmen  oder zu erleichtern. Die Form des Roboters ist meistens der Funktion angepasst. Cyborgs hingegen sind Menschen, die mechanische oder elektrische Anteile haben. Zum Beispiel Menschen, die einen Herzschrittmacher besitzen, aber im weitesten Sinne auch Menschen, die z.B. eine Brille tragen oder in einer technisierten Umwelt leben.













Nullevel//Leporello


Alle Menschen haben alles. Es gibt keine offenen Wünsche. Die Menschen in der «Schönen neuen Welt» sind abgesichert. Alle haben ihren Platz in der Gesellschaft und jeder ist mit dem was er hat zufrieden und will auch nichts anderes. Es gibt kein Leid, keine Krankheiten, keine Armut, kein Unglück. Das alles hat aber auch seinen Preis. Um die Stabilität dieser Gesellschaft nicht zu gefährden darf es keine Liebe geben, denn diese würde zwar Menschen glücklich, aber auch unglücklich machen. Auch Kunst und Literatur wurden abgeschafft und durch eine Art Fühlkino  ersetzt, eine Art 3D-Rundum-Kino, in dem auch körperliches Empfinden an den Zuschauer übertragen wird. Der Handlungsverlauf der Filme ist allerdings ohne tiefere Bedeutung, da ohne Leiden und sonstige negative Dinge jegliche Grundlage für einen anspruchsvollen Inhalt fehlt. Wie fühlt sich das an, wenn man alles hat, keine Probleme hat und sich um nichts sorgen muß? Ich dachte daran, das dann alles immer gleich wäre und stellte mir eine Art Herzfrequenz vor, die sich auf die Nullinie zubewegt. Ich dachte daran, das alles immer gleich bleibt, es gibt keine Veränderungen, alles bewegt sich in einem Nullevel. Mir fielen Parallelen zum Schlaraffenland auf. Verbreitet sind normalerweise die  üblichen Geschichten, das es dort alles im Überfluss gibt.  Geld, Glück und vor allem Lebensmittel. Nicht so bekannt ist, das es auch im Schlaraffenland keine Liebe gibt, da diese dort zu anstrengend für die Menschen ist. Es geht dort nur um Sex ohne Gefühle, um keine Probleme zu bekommen. Hier wird dem Menschen das Genommen, was ihn eigentlich ausmacht. Er wird quasi zum Cyborg ohne menschliche Gefühle.  Im Schlaraffenland altern Menschen nicht. Es gibt einen Jung-brunnen und man bleibt immer schön und jung. Niemand muss arbeiten und alle liegen faul herum. Die Frauen müssen auch keine Kinder mehr gebären, denn diese  wachsen an Bäumen und fallen, wenn sie reif geworden sind herunter. Die «Schöne neue Welt» und das Schlaraffenland haben viele Parallelen. Es geht immer darum eine  perfekte Gesellschaft zu haben oder zu erträumen. Eine Gesellschaft in der Jeder glücklich ist. Solche Träume gibt es immer noch und gab es auch immer. Der Mensch ist immer auf der Suche nach dem vollkommenen Glück. Aber was ist der Preis dafür? Kann man in einer Welt in der es nur Positives gibt, in der alle Menschen sorgenfrei und glücklich sind, auf Dauer zufrieden sein? Was passiert im Schlaraffenland, in der «Schönen neuen Welt» oder in unserer Gesellschaft, wenn alles immer gleich bleibt? Ist es erstrebenswert wunschlos glücklich zu sein? Von Jenny Holzer stammt der Spruch «Protect me from what I want», der oft zitiert wird und auch ich denke das diese Aussage etwas Wahres hat. Unsere heutige Gesellschaft arbeitet auch daran, das alles perfekt ist. Auch wir leben in einer Art Schlaraffenland, die Lebensmittel fliegen uns zwar nicht direkt in den Mund, aber wir können sie einfach aus dem Supermarkt besorgen. Die Kleider wachsen nicht auf Bäumen aber in den Geschäften gibt es genug davon. Es gibt Schönheitsoperationen und Faltencremes. Vieles ist einfacher und wird immer einfacher, aber glücklicher werden wir auch nicht.